In Memoriam Heinz Zemanek

Der österreichische Computerpionier Heinz Zemanek ist tot.

Am 1. Jänner 1920 in Wien geboren studierte Heinz Zemanek an der damaligen Technischen Hochschule Wien Nachrichtentechnik und brachte dann als Assistent an der Hochschule etwas einmaliges zustande: mit einem Team von Studierenden baute er in den 1950er Jahren den ersten volltransistorisierten Rechner in Kontinentaleuropa, der unter dem Namen Mailüfterl Berühmtheit erlangte.
Treffend wurde diese Errungenschaft in einem Video aus Google Computer Heritage Program gewürdigt: “Für einen Augenblick machte das Wiener Mailüfterl Österreich zum Vorreiter der europäischen Computerwissenschaften.

Zemanek  wechselte 1961 mit dem jungen Team und dem Mailüfterl zur IBM und bildete das den Grundstock des Wiener IBM Labors, in dem u.a. die Vienna Definition Method (VDM) entwickelt wurde. IBM erwies Heinz Zemanek die Ehre ihn zum IBM Fellow zu ernennen – in dieser Funktion kann man sich völlig unabhängig einem Forschungsgebiet der eigenen Wahl widmen; Zemanek wählte das Gebiet Abstrakte Architektur und forschte dazu bis zu seiner Pensionierung 1985.

Portrait von Heinz ZemanekZemanek gab seine Lehrtätigkeit an der TU Wien erst vor wenigen Jahren auf. Seit 1964 außerordentlicher Professor wurde er 1983 zum ordentlichen Professor berufen.

Früh hat Heinz Zemanek wert auf die internationale Vernetzung der jungen Wissenschaft der Informatik gelegt. In der 1959 gegründeten International Federation for Information Processing (IFIP) hatte er verschiedene Funktionen inne.

Heinz Zemanek war wesentlich an der Gründung der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) beteiligt und übernahm 1975 die erste Präsidentschaft des Vereins. Dazu OCG Präsident Reinhard Goebl: Zusammen mit den OCG-Gründern Norbert Rozsenich, später Sektionschef für Forschung im Wissenschaftsministerium und Otto Zich, später Europachef von SONY, gab Prof. Zemanek mit visionärem Blick der OCG den noch heute hochaktuellen und gültigen Auftrag: Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)/ Informatik zusammen mit Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft.

Alle zwei Jahre vergibt die OCG ihm zu Ehren den Heinz Zemanek Preis, mit dem herausragende Dissertationen an österreichischen Universitäten aufgezeichnet werden. Wir sind sehr dankbar, dass er der OCG bis zuletzt verbunden geblieben und war immer ein gern gesehener Gast in unserem Büro.

Heinz Zemanek mit dem Team der OCG, 2013

Heinz Zemanek mit dem Team der OCG, 2013

Heinz Zemanek war Ehrenmitglied zahlreicher Verbände und Träger vieler internationaler und nationaler Auszeichnungen, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse und die IEEE Computer Pioneer Medal seien nur als Beispiel genannt.

Am 16. Juli 2014 ist Heinz Zemanek im 95. Lebensjahr in seiner Wiener Wohnung verstorben. Die OCG wird sich im Sinne seines Gründers auch weiterhin um höchste Qualität für IKT und Informatik bemühen.

Ein Nachruf mit entsprechender Würdigung des Lebenswerkes erfolgt getrennt.

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Eine Antwort auf In Memoriam Heinz Zemanek

  1. Dipl.-Ing. Dr. techn. Anton Gsandtner sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich möchte anregen, dass die OCG einen ansehnlichen Geldbetrag zur Pflege des Privatarchivs von Prof. Zemanek bereitstellt.

    Anton Gsandtner
    InformatikAbsolventenVerband
    0 664 39 41 2 35

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