Helmut Schauer – ein Leben für digitale Bildung

Welche Bekanntschaften mit Informatikern waren prägend? In welcher Weise haben Begegnungen mit diesen Menschen zur persönlichen Entwicklung und Lebensphilosophie beigetragen? Univ.-Prof. Helmut Schauer, 74, erzählte vergangene Woche in der OCG vor rund 80 Besuchern aus seinem spannenden Leben und seinen Erinnerungen, Univ.-Prof. Gerald Futschek von der TU Wien, vor Jahren Mitarbeiter bei Helmut Schauer, hielt die einführende Laudatio und würdigte Schauers Lebenswerk und Wirken als einer der bedeutendsten Informatik-Didaktik-Experten an der TU Wien in Forschung und Lehre, in der OCG, bei der Lehrer-Ausbildung, an der Uni Zürich und als Präsident der Schweizer Informatik-Gesellschaft. Zum festlichen Anlass passend wurde Helmut Schauer von OCG-Präsident Wilfried Seyruck die OCG-Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Helmut Schauer beim Vortrag

Helmut Schauer beim Vortrag

 

„Sehr geprägt hat mich sicher OCG-Gründer Heinz Zemanek, aber auch mein ehemaliger Chef an der TU Wien, Hans Stetter“, nannte Helmut Schauer gleich zu Beginn seines Vortrags zwei Wissenschaftler, die sein Leben und wohl auch seinen Karriereweg stark beeinflussten. Schauer beeindruckt das Publikum durch viele Erinnerungen und Anekdoten: „Als Sechsjähriger, während mein Vater in Kriegsgefangenschaft war, hat mich im Radio die Sendung „Mr. XY weiß alles“ sehr beeindruckt. Sehr viel später habe ich dann den Mann kennengelernt, der hinter Mr. XY steckt, das war Heinz von Förster – das war ein tolles Erlebnis.“

Geboren während des Zweiten Weltkriegs in einer Zeit, in der die ersten Computer mit Relais- und Elektronenröhren bestückt zur Decodierung verschlüsselter Nachrichten verwendet wurden,  erlebte Helmut Schauer von Kindesbeinen an die spannende Entwicklung von Computern, EDV und Informatik. Als Person prägte ihn zunächst OCG-Gründer Heinz Zemanek, der das berühmte „Mailüfterl“ (den ersten volltransistorisierten Computer Europas) fertigstellte, als Schauer noch in der Oberstufe war. Zemanek war es auch, der den jungen Studenten Helmut Schauer so sehr in seinen Vorlesungen faszinierte, dass dieser sich von der Elektrotechnik in Richtung Informatik und Programmierung verlagerte. In der international Summer School in Marktoberdorf lernte Schauer dann weitere namhafte Informatik-Experten wie Friedrich L. Bauer, Alan Perlis (bekam 1966 den Turing Award) sowie Edsgar W.Dijkstra kennen und schätzen. „Bei Perlis hat mich fasziniert, dass er jeden Vortrag mit einer schönen Geschichte begann. Da ich nicht so erfinderisch war und auch nicht so gut erzählen konnte, habe ich dann oft zu Vorlesungsbeginn den Studenten einen Song von Bob Dylan vorgespielt“, erzählte Schauer.

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von links: Gerald Futschek, Helmut Schauer, OCG Präsident Wilfried Seyruck, Reinhard Göbl

 

Ein Leben für informatische Bildung

1988 verließ der bei den Wiener Studenten äußerst beliebte Informatik-Professor die TU Wien und startete an der Uni Zürich, wo er das Educational Engineering Lab übernahm. Bildungswerte der Informatik und deren Vermittlung beschäftigten Schauer sein ganzes Leben. Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe entwickelte er auch selbst ein eLearning Programm. “Ich habe schon immer versucht die Ideen der Informatik in den Unterricht und in die Allgemeinbildung einfließen zu lassen”, verdeutlichte Schauer. In Zürich „hatte ich dann genug Budget, spannende Informatik-Persönlichkeiten einzuladen“, war Schauer froh und nützte diese Chance gut: So gelang es ihm, etwa Alan Key (erhielt 2003 den Turing Award) oder den berühmten Joseph Weizenbaum (1923-2008) nach Zürich einzuladen, der mit seinen anekdotisch-witzigen, manchmal listigen Vorträgen seine Zuhörerschaft zu beeindrucken verstand. „Von ihm habe ich die Sache mit den Beispielen gelernt“, sagte Schauer.

Ein Jahrzehnt „Java-Man“

„Ich war dann sicher ein Jahrzehnt der Java-Man von Zürich“, so Schauers humorige Einschätzung seiner Lehrtätigkeit. Als Präsident der Schweizer Informatikgesellschaft, führte er den ECDL (European Computer Driving Licence) in der Schweiz ein. Nennenswert sind ebenfalls seine zahlreichen Publikationen, das Buch „PASCAL für Anfänger“ wurde zum Bestseller. Sein, wie er meinte, bestes Buch „Logo – Jenseits der Turtle“ wurde hingegen ein kommerzieller Flop. Schauer hielt auch selbst zahlreiche Computercamps. Das erste österreichische Sommer-Computercamp mit Segeln in Gmunden 1983 war ein Renner“, zeigte Schauer dazu auch die entsprechende nostalgisch anmutende Einladung.

Aber es gab auch seltsame Begegnungen, etwa mit dem höchst skurrilen George Spencer Brown (schrieb das 1969 erschienene Buch „Laws of Forms“) – „er war gleichzeitig Genie und Wahnsinniger“, beschrieb ihn Schauer. Brown schaffte jedoch eines: er regte mit seinen mathematisch-philosophischen Theorien zu interdisziplinärem Denken an. Zuletzt gab sich Schauer selbst ein wenig philosophisch: „Wer vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, wird aus dem Paradies vertrieben. Somit ist für mich die Antwort auf die Frage: Macht Bildung glücklich? nicht trivial”.

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Helmut Schauer (links) erhält die OCG Ehrenmitgliedschaft von OCG Präsident Wilfried Seyruck

 

Über Helmut Schauer:

Helmut Schauer wurde Ende der sechziger Jahre Assistent am Institut für Numerische Mathematik der TU Wien (Prof. Stetter) und hielt dort erste Programmiervorlesungen. Als an der TU Wien 1970 das Informatik-Studium eingeführt wurde, erhielt der Doktorand Schauer die Aufgabe, die Informatik-Einführungsvorlesungen abzuhalten. Von 1968 bis 1984 war Schauer als Universitätsassistent an der TU Wien tätig. 1984 wurde Schauer Leiter des Departments “Commercial Data Processing”. 1988 wechselte er an die Uni Zürich und fungierte dort bis zu seinem Ruhestand 2009 als Leiter des Educational Engineering Labs. In seinen Forschungsarbeiten beschäftigte sich Schauer mit Web-based Learning, Assessments beyond Multiple Choice, Collaborative Learning Environments, Game-based Learning und Visualisierung von Algorithmen und Datenstrukturen.

Mehr Information über Helmut Schauer:

https://austria-forum.org/af/Biographien/Schauer%2C_Helmut

 

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